Ein schweres Zugunglück ereignete sich am Montag, 12.04.2010 auf der Zuglinie Meran - Mals. Als traurige Bilanz bot sich bis zum Abend des 12.04.2010 insgesamt die Anzahl von 9 Todesopfern sowie 28 Verletzten.
Die Landesnotrufzentrale Südtirol aktivierte binnen weniger Minuten das kapillare Netz der Südtiroler Hilforganisationen, darunter waren auch zwei Bergrettungsstellen unserer Organisation mit insgesamt 20 Helfern. Die vordergründige Aufgabe der Bergrettung war in Zusammenarbeit mit dem Feuerwehrdienst die Sicherung, Bergung und Rettung der verunglückten Personen im Zug.
Besonders der Zugang zum Notfallort gestaltete sich als schwierig, musste im ersten Moment erst der Zug mit schwerstem Gerät vor einem weiteren Absturz gesichert werden. In mühevoller Arbeit arbeiteten sich die Hilfskräfte nach vorne um die im Schlamm steckenden Personen zu befreien, leider waren 9 Todesopfer im Zug zu beklagen.
Lobenswert ist die vorbildliche Zusammenarbeit unter den Hilfskräften vor Ort.
Montag 12.April 2010 Zugunglück in Latsch
Beteiligte Rettungskräfte:
BRD Latsch
BRD Martell
CNSAS Martell
FF Untervinschgau
Weißes Kreuz Mittelvinschgau
Rettungshubschrauber „Pelikan“ mit Einsatzteam
Um 9.12 Uhr wurde am heutigen Montag ein Alarm mit Priorität 3 ausgelöst; bereits fünf Minuten später war die erste Einsatzgruppe vor Ort. Die Helfer wurden in drei Gruppen unterteilt, wobei eine für die Fixierung der Wagons (Absturzsicherung) zuständig sein sollte und die anderen jeweils für das vordere oder hintere Zugabteil.
Die BergretterInnen kümmerten sich schwerpunktmäßig um die Bergung und Erstversorgung der Schwerverletzten und die Sicherung der Einsatzkräfte. Dabei musste in teilweise metertiefen Schlamm- und Geröllmassen gegraben werden, teilweise mit bloßen Händen oder mit den zufällig mitgebrachten Lawinenschaufeln.
Man stieß auf zahlreiche leblose Körper und Verletzte, welche erst nach der Zugfixierung endgültig freigelegt werden konnten. Den RetterInnen bot sich ein schreckliches Szenario; immer mehr Rettungskräfte wurden benötigt, um der rapide ansteigenden Zahl von Verletzten gerecht werden zu können. Die Zeit erschien endlos, Betroffenheit- und Ohnmachtsgefühle machten sich angesichts der scheinbar nicht entfernbaren Schlammmassen breit.
Trotz alledem funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Rettungsorganisationen einwandfrei. Der Einsatz wurde innerhalb kurzer zeit reibungslos strukturiert, was sicher nicht zuletzt auf die vor ca. 4 Jahren durchgeführte Gemeinschaftsübung an fast genau derselben Stelle zurückgeführt werden kann. Inhaltlich ist damals ein ähnliches Ereignis simuliert worden.
Das Erlebte wurde von den Rettungsorganisationen in einer gemeinsamen Nahbesprechung evaluiert und die RetterIinnen für die Möglichkeit einer psychologischen Nachbetreuung sensibilisiert.
Nichtsdestotrotz haben sich die Bilder des Erlebten bei allen unauslöschbar im Gedächtnis verankert und sie sind in tiefen Gedanken bei all jenen, die Abschied nehmen müssen.
Am Abend war alles vorbei ... ... übrig blieb kaputte und verdreckte Ausrüstung und noch mehr Trauer ...

